[Sounds | Signs 005: Oktober
sad. Mit leichter Verspätung: die Oktober-Hitparade. Wer sich da wieder einmal auf den ersten Platz geschlichen hat…
01. Morrissey: »Speedway« (Vauxhall And I, 1994)
02. Crystal Castles: »Alice Practice « (dto., 2008)
03. Julia Hummer & Too Many Boys: »Endsong« (Downtown Cocoluccia, 2005)
04. The Fever: »Gray Ghost« (Red Bedroom, 2005)
05. Sophia: »Reprise« (Absolute Giganten O.S.T., 1999)
Und weil es so schön ist: hier noch einmal in der wunderbar gefühlsduseligen Schlussszene aus Absolute Giganten (1998):
So long.]
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Tags: Filmmusik, Musik
[Von Klügeren lernen 012: Gehörn

sad. Die gebeutelte Zeitschrift Literaturen hat gerade einen Relaunch erfahren dürfen. Hübsch ist die neue Ausgabe geworden, wenn auch nur unwesentlich aufregender als die alte Version der Zeitschrift. (Zusätzlich gibt es übrigens ein sicherlich von gewaltigem Erfolg gekröntes Internetportal, in dem allerlei Artikel aus den Publikationen des Friedrich Berlin Verlags zu finden sind, das – gewitzter Titel… – kultiversum). Wie dem auch sei: Jochen Schmidt, dessen letztes Buch, Schmidt liest Proust, ich lektorieren durfte, hat darin einen wunderbar sinnfreien Artikel mit dem Titel »Gehirngedanken« publiziert. Darin heißt es:
»Manche Menschen schützen ja ihr Gehirn mit einem Fahrradhelm, anscheinend halten sich diese eitlen Narren für unersetzlich. [...] Der Vorteil ist, dass mein Gehirn eines der wenigen Gehirne ist, die sich sich selbst vorstellen können. Das liegt daran, dass es so unkomplex ist, dass sogar ein so unkomplexes Gehirn wie meines es schafft, es zu verstehen. Selbsterkenntnis fällt natürlich den Dummen viel leichter.«
Über solche Sätze freue ich mich, denn sie helfen auch mir, zu verstehen: Mein Hirn tickt ähnlich, Komplexität ist ihm ein Fremdwort.
Jochen Schmidt: »Gehirngedanken«, in: Literaturen 10 (Oktober 2009), H. 10, S. 85.]
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Tags: Gehirn, Jochen Schmidt, Kognitionsforschung, Selbstreferentialität
sad. Nach längerer Pause (manchmal gut, so etwas) treibe ich mich mit dem Verlag Voland & Quist auf der Frankfurter Buchmesse herum. News, Photos und so weiter und so fort sind bei Twitter zu finden. Aloha-hey!]
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Tags: Buchmesse Literatur
[Sounds | Signs 004: September
sad. Die September-Hitparade. This kicks ass. Not.
01. Dinosaur Jr.: »See You « (Farm, 2009)
02. Fever Ray: »When I Grow Up« (dto., 2009)
03. Museum: »For The Very First Time« (Exit Wounds, EP 2005)
04. Crystal Castles: »Xxzxcuzx Me« (dto., 2008)
05. Morrissey: »Suedehead« (Viva Hate, 1988)
So long.]
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Tags: Musik
Titel. Terminator: The Sarah Connor Chronicles
Staffeln. 2 (à 9/22 Folgen)
Koordinaten. USA 2007-2009 (Creator: Josh Friedman)
Zeit. 03.2009-09.2009
Ort. Hamburg
Modus. Wachsende Begeisterung
Gesellschaft. None
sad. Lange hat mich die Terminator-Reihe eher genervt, bis ich 2003 Terminator 3 im Hamburger Grindel-Kino gesehen habe,. Die letzte Reihe hat den gesamten Film hindurch jubelnd Arnold Schwarzenegger angefeuert, was ziemlich komisch war, vor allem aber dazu geführt hat, dass ich mir die alten Filme noch einmal angesehen habe – und, zack, war’s um micht geschehen. Dickes Geballere und – ganz im Gegensatz etwa zur langweiligen Robocop-Reihe – allerlei philosophische Problemchen, die als Subtext verhandelt werden und als Alibi vorgeschoben werden können, wenn man sich in pseudointellektuellen Kreisen einmal rechtfertigen muss – was will man mehr?
Die Sarah Connor Chronicles setzen acht Jahre nach Terminator 2: Judgment Day im Jahr 1999 ein. John Connor (Thomas Dekker) – zukünftiger Anführer der Rebellion gegen die Maschinen – und seine Mutter Sarah Connor (Lena Headey) halten sich vor der Polizei und möglicherweise aus der Zukunft zurückgesandten, fiesen Terminators versteckt. Natürlich werden sie von einem ganz besonders garstigen T-888 aufgespürt, freundlicherweise jedoch vom umprogrammierten Terminator Cameron (groß-, groß-, großartig gespielt von Summer Glau) gerettet. Cameron wurde vom John Connor der Zukunft eigens dazu in die Vergangenheit geschickt und entwischt dem bösen Terminator Cromartie gemeinsam mit Familie Connor ins Jahr 2007.
Dort gibt es allerlei zu tun, denn Skynet, jene künstliche Intelligenz, die irgendwann die Menschheit beinahe auslöschen wird, ist bereits in der Entwicklung. Das Dreiergespann erhält Unterstützung vom ebenfalls zurückgesandten Derek Reese (Brian Austin Green), also Johns Onkel (der dies zunächst nicht weiß), von Sarahs altem Lebenspartner Charley Dickson (Dean Winters), erst Fallstricke zwischen die Beine, dann ebenfalls Unterstützung von FBI-Agent James Ellison (Richard T. Jones), allerlei Terminatoren treiben ihr Unwesen und versuchen, die Gruppe zu erledigen, müssen jedoch fast immer selbst dran glauben, ein schicker Flüssigmetall-T-1001 ersetzt eine Konzernchefin, Catherine Weaver, um den Entwurf eines Supercomputers zu beschleunigen, einige der Hauptfiguren und ein Haufen Unbeteiligter müssen sterben oder werden tragischerweise gerettet, nur um in der Zukunft irgendwann eine wichtige Rolle in der Rebellion zu spielen und ein relevanteres Ende zu finden, falls die eventuell gerade umgestaltete Zukunft noch jene ist, die die Zurückgereisten kennen, kurz: die Fäden werden immer verworrener – und irgendwann scheinen auch die Hauptfiguren nicht mehr zu wissen, ob ihr Strampeln gegen die scheinbar immer unausweichlicher werdende nukleare Apokalypse irgendetwas bewirkt.
Bei ihrem Vorgehen orientieren sie sich an vielen, zumeist unklaren Hinweisen auf die Entwicklunge von Skynet, ohne dass dabei klar wäre, wie diese Hinweise zusammenhängen. Nicht verwunderlich also, dass John irgendwann eine Therapie besucht, Sarah nervlich schwer angeschlagen ist und immer mehr Freunde, Bekannte, Unbeteiligte oder Menschen, die an einem Teil von Skynet arbeiten, sterben müssen, meistens, ohne zu wissen, warum all das mit ihnen geschieht.
Ohne zuviel über den Fortgang der sehr intelligent konzipierten Serie zu verraten, sei soviel gesagt: Sie bleibt in ähnlicher Weise wie Twin Peaks ein Fragment (mit einer großartigen Pointe in der letzten Folge); es ist lange nicht alles gesagt, es sind lange nicht alle Handlungsstränge zu einem Ende gebracht, trotzdem ist man nicht völlig gefrustet, weil man nicht alles erfährt, was es zu erzählen gibt. Denn die Serie enthält bereits jetzt genug Dinge, über die man nachdenken kann, sodass es vielleicht gar nicht schlecht ist, dass sie nicht verrät, ob, wann und warum Skynet schließlich doch die Macht übernommen hat: Zunächst werden ungefähr alle Vorstellungen über Schicksal, Zukunftsdetermination und Beeinflussbarkeit der Zukunft auseinandergenommen, die man sich denken kann (naja, zumindest ziemlich viele), und damit – auf eine allgemeinere Ebene gehoben – immer auch die Grenzen der Reichweite eigener Handlungen problematisiert, all das hübsch verpackt in clevere Stories, die meistens in den Folgen abgeschlossen werden, während sich die Rahmenhandlung natürlich durch die gesamte Serie zieht. Dabei wird übrigens nicht nur geballert, vielmehr steht das Zwischenmenschliche im Mittelpunkt der Serie – und die Beziehungen zwischen Menschen und Maschinen.
Diese sind meistens zwar einfach gestrickt, da natürlich die meisten Terminatoren Familie Connor und jene, die sie beschützen oder von denen sie beschützt werden, lediglich töten sollen. Bei den beiden T-was-weiß-ich-Modellen, die für ein komplexeres Bild künstlicher Intelligenzen sorgen, gestalten sich die Beziehungen zu den Menschen, die sie beschützen sollen (Cameron) oder zu denen sie ein ambivalentes Verhältnis haben (Catherine Weaver [gespielt von Garbage-Sängerin Shirley Manson]), ein wenig verworrener. Beide Cyborgs verändern sich nämlich, je länger sie mit Menschen zu tun haben, und zwar weil ihre vorgegebenen Daseinszwecke es notwendig machen, dass sie bis zu einem gewissen Maß offen gegenüber Menschen und ihren teilweise irrationalen Einstellungen und Gefühlen sind.
Das macht sie noch nicht zu Personen, sie kommen an diesen Status jedoch ziemlich dicht heran: Sie lernen, immer differenziertere Entscheidungen zu treffen, adaptieren Gefühle und tätigen Handlungen aus Gründen, deren Zweckrationalität kaum mehr auszumachen ist – trotzdem bleibt ihre Antwort auf die Frage danach, wie sie handeln sollen, letztlich doch gebunden an ihre Programmierung: Ihr Handeln zielt immer auf die Erfüllung ihres telos als Diener eines der beiden [sic!] mächtigen Computerprogramme oder dem Ziel, John Connor zu beschützen. Wie sich in der letzten Folge zeigt, ist aber das Potential zumindest eines der besagten Computerprogramme nicht darauf beschränkt.
Whatever. Um auszusprechen, was vermutlich bereits aus all diesen wagen, Spoiler weitestgehend vermeidenden Andeutungen spricht: Eine anregende, anspielungsreiche, spannende, actionlastige, mal soapige, mal furchtbar tragische Serie, die anzusehen sich wirklich lohnt.]
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Tags: Action, Coming of Age, Film, Killer, Männer ohne Hals, Populärkultur, Serie, Terminator
sad. Wie lehrreich, wenn innerhalb eines Tages die beiden Seiten der Demo-Gewalt-Medaille vorgeführt werden: Während die Polizei beim gestrigen Hamburger Schanzenfest lediglich Beobachter in Zivil eingesetzt hat und die behelmten grünen Männchen erst auf der Bildfläche erschienen, als eine Polizeiwache von Linksautonomen angegriffen wurde, die nicht wussten, wie sie mit dieser entspannten Situation umgehen sollten, ist auf der »Freiheit statt Angst«-Demo in Berlin, die ebenfalls gestern stattgefunden hat, das Folgende passiert. Das Video ist inzwischen hinlänglich bekannt, es zu präsentieren aber eine Sache des Prinzips, wie ich finde. Deshalb auch hier:
Bin gespannt, wie man sich hierfür rechtfertigt. Ob mal wieder ein armer, armer Polizist überfordert war?]
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Tags: Demo, Polizeigewalt
[Sounds | Signs 003: August
sad. Die August-Hitparade. Seltsame Mischung. Naja, whatever:
01. The Movements: »Save Me« (The World, The Flesh And The Devil, 2009)
War leider in keiner besseren Fassung zu finden… Aber: eine riesige Live-Band, am 26.10. im Hafenklang/HH
02. IAMX: »Song Of Imaginary Beings« (The Alternative, 2006)
03. The Herbaliser: »Generals« (Take London, 2005)
Das offizielle Musikvideo ist wirklich schäbig, deshalb hier ein Ersatz.
04. The Indelicates: »… If Jeff Buckley Had Lived « (American Demo, 2008)
05. Morrissey: »Everyday Is Like Sunday« (Viva Hate, 1988)
So long.]
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Tags: Musik
jf. Sehr geehrte Typ-1-Diabetiker, sehr geehrte Standard-Menschen (Typ-2-Diabetiker werden auf Wunsch des Patienten ausdrücklich nicht gegrüßt, da er sie für Schummler hält: Mit ein bisschen Disziplin und Fitness hätten sie die Zuckerkrankheit umgehen können),
anlässlich des Jahrestages der Kinder- und Jugenddiabetes am 2. August, den Sie hoffentlich genauso gefeiert haben wie Weihnachten, ist es eine ganz besondere Ehre ein weiteres Mal das breite und wunderbare Themenfeld der Diabetes als Ausrede zu betreten. In einem Fernsehbericht über den besagten Jahrestag ging es insbesondere um die Insulin-Pumpe, die durch ihre einfache Handhabung Kindern den Einstieg in ein von der Krankheit gezeichnetes Leben erleichtern soll. Im darauf folgenden Gespräch mit dem Patienten, der zurzeit seine voraussichtlich letzten Schulferien genießt, erklärte er kurz, warum er den normalen Insulin-Pen der Insulin-Pumpe vorzieht. Man erhält durch die dabei vorgebrachten Argumente einen guten Einblick in die typische Denkweise eines selbst- und krankheitsbewussten Diabetes-Patienten:
- Es ist vermutlich ein äußerst merkwürdiges Gefühl sich dauerhaft mit einem 1 cm langen Katheter im Bauch zu bewegen. Spätestens nach den Saw-Filmen sollte man eine gesunde Abneigung gegen Fremdkörpern im eigenen Körper entwickelt haben.
- Der Gedanke an einen Bioport weckt zurecht die Angst, nun, zum Beispiel eine menschliche Spielkonsole zu werden, etwa so wie in dem Film eXistenZ.
- Besonders bei Fans der digitalen Monster – und diese sind schließlich zumeist Kinder – könnte eine Pumpe problematische Assoziationen hervorrufen: Wie im Bild zu sehen ist, ähnelt sie nur allzu sehr dem Digivice (Digimon der zweiten Generation). Phantasievolle Kinder könnten mit ihrem Blutzuckerwert herumexperimentieren, um so in die digitale Welt zu kommen…
Wie man sieht: Es gibt hinreichende Gründe, keine Pumpe, sondern einen Pen zu verwenden.
Um wenigstens noch in aller Kürze zum eigentlichen Thema zu kommen, hier noch ein kleines Beispiel, wie die dieser moralisch und geschmacklich grenzwertigen Kolumne zugrunde liegende Ideologie umgesetzt werden kann:
Der Patient war gerade in die sechste Klasse gekommen, als er am Morgen eines Schultages feststellte, dass er weder Lust auf die anstehenden Schulstunden hatte noch auf sie vorbereitet war. Um dem vor ihm liegenden Stress zu entkommen, spritzte er sich zur notwendigen Morgendosis Insulin noch fünf Einheiten zusätzlich. Mithilfe einer gewitzten Formel hatte er sich ausgerechnet, dass so um halb acht, also eine halbe Stunde vor Schulbeginn, ein Unterzuckerzustand eintreten würde.
Um halb Acht liegt der Patient immer noch im Bett (hierzu ist eine präzise Vorhersage des späteren Blutzuckerwerts wichtig) und misst den Blutzucker: 47. 100 ist bekanntermaßen der Wert, den man idealerweise haben sollte und als Standard-Mensch ohne äußerliches Zutun auch hat. Und man weiß es aus Beat-em-up-Spielen: Zeigt die Energieleiste 47 an, kann man sich nicht sicher sein, den Gegner zu überstehen. Hat man sich erst einmal mit diesem hübschen Vergleich in der Schule entschuldigt, kann man diese Theorie den ganzen Tag über testen. Oder alternativ Mario Sunshine zocken und Katzen streicheln.
In der nächsten Folge: Unterzucker, das schlagende Argument. Wie Sie Ihr näheres Umfeld dazu bekommen, Sie in jeder Situation zu bedienen.
Bitte messen sie jetzt ihren Blutzucker und injizieren sie sich vorsichtshalber 25 Einheiten Insulin. Das gute Lantus. Nicht das Kurzzeitinsulin. Oh Mann, das weiß man doch. Aktueller HbA1C = 6,2]
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Tags: Krankheit, Party, Trash
sad. Wie bei allem anderen Dingen auch gibt es ganz unterschiedliche Gründe dafür, Buchcover gut zu finden. Das nebenstehende Cover des Buchs Nudge von Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler und Jurist Cass Sunstein wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Trotzdem finde ich, dass es außerordentlich geschickt gemacht ist, weil es die Wahrnehmung des Betrachters und seine Informationsverarbeitung auf sehr hintergründige Weise lenkt und so bewirkt, dass man mehr über das Buch erfahren möchte.
Die Wenigsten wissen, was »nudge« heißt. Dementsprechend irritiert der Titel des Buchs zumindest kurz und sorgt dafür, dass man sich den Bruchteil einer Sekunde lang fragt, was er bedeutet, bevor die Augen weiter über das Cover fahren. Vom Titel, auf den der Blick dank der Farbe und des reduzierten Designs als erstes fällt, wandert dieser über ein vermutlich zunächst nur als grauen Fleck wahrgenommenes Irgendwas zum Untertitel, durch den man erwährt: Es geht in dem Buch darum, »[w]ie man kluge Entscheidungen anstößt«.
Natürlich weiß man auch jetzt noch nicht genau, was »nudge« heißt. Hat man jedoch Interesse entwickelt und schaut etwas länger auf das Cover, bewirken sehr präzise eingesetzte Zeichen, dass man recht bald klarer sieht. Während der erste Blick – wie immer beim ersten Erfassen von komplexen Bildzeichen – von der oberen linken Ecke zur rechten Seite gefahren ist, um von dort (von der Höhe des oberen horizontalen goldenen Schnitts) eine Linie nach rechts unten zu verfolgen und beim nächsten dominanten Zeichen zu verharren (hier die blaue Schrift des Untertitels), ist der zweite Blick freier; die einzelnen Zeichen werden nun auch rückbezüglich miteinander in Verbindung gesetzt (übrigens in Form eines vermutlich unbewusst vorgenommenen abduktiven Schlusses, wie bei so vielen Interpretationsleistungen): Es geht um das Anstoßen von klugen Entscheidungen – und genau das macht der große mit dem kleinen Elefanten: ihn anstoßen. Nun ist das Bildzeichen jedoch dichter am Titel als am Untertitel angeordnet. Über die semantische Überschneidung von Bildzeichen und Untertitel hinaus wird deshalb – ganz autormatisch – ein Zusammenhang von Bildzeichen und Titel hergestellt; das Bild wirkt nicht wie eine Illustration des Untertitels, sondern wird zur Erklärung des bislang unklaren Titels herangezogen. So kommt man darauf, dass »nudge« »Anstoß«, »Schubs« oder Ähnliches heißen muss. Und wenn man schon einmal so weit gekommen ist, dann ließt man auch den Text auf dem Backcover.
Jetzt könnte man noch Kritik üben (Titel und Elefanten müssten etwa einen halben Zentimeter höher gesetzt werden, damit die Mitte des »e« von »Nudge« am goldenen Schnitt sitzt, dann wäre auch der Abstand zum Untertitel etwas größer und damit auch die Nähe von Titel und Bildzeichen; außerdem lenkt das Econ-Logo, das leider immer rot ist, den Blick ab), toll finde ich aber etwas anderes: Das Erste, woran ich denken musste, als ich die Elefanten gesehen habe, war… na? Ja, genau: die Elefanten aus der Disney-Zeichentrick-Fassung des Dschungelbuchs, vor allem natürlich an den kleinen Elefanten Duda. Das mag albern klingen und geht sicherlich nicht allen so, aber ich find’s toll: Dass es um ein Sachthema geht, das zwar Alltagsnähe zu haben scheint, aber als Sachthema prinzipiell ›trocken‹ ist, wird mit äußerst positiven Erinnerungen an den Zeichentrickfilm der Kindheit gleichsam neutralisiert. Da ich leider ständig in die Oh-wie-niedlich-Falle tappe, hatte ich so schon eine positive Einstellung zu Nudge, bevor ich das Buch gelesen habe. To make a long story short: Was für ein hervorragendes Cover! Und, nebenbei bemerkt: Nudge ist außerdem ein sehr spannendes und diskussionswürdiges Buch.
Richard H. Thaler/Cass R. Sunstein: Nudge. Wie man kluge Entscheidungen anstößt (2008), übers. v. Christoph Bausum, Berlin: Econ 2009.]
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Tags: Abduktion, Cover, Dschungelbuch, Informationsverarbeitung, Nostalgie, Populärkultur, Semiotik, Wahrnehmung
sad/jf. Festivals sind prima. Naja, sie sind auch dreckig, man kann sich nicht besonders gut auf die Musik konzentrieren und es sind viele Menschen an einem Ort versammelt, was schlecht ist, etwa wenn man keine Menschen mag. Aber eigentlich sind Festivals schon eine gute Sache. Deshalb haben wir uns gestern auf dem Dockville Festival in Hamburg herumgetrieben, natürlich auch, weil wir Menschen wirklich, wirklich gerne mögen. Beim Dockville kann man Rock hören und Rockpop und Elektropop und Elektrorockpop und Elektro. Und man kann außerdem viel sehen. Zum Beispiel Indies, jene jungen oder junggebliebenen Individualisten, die genau diese Musik hören. Weil die Indies alle sehr individuell sind, tragen sie alle sehr individuelle Kleidung, und zwar recht ähnliche. Festivals bieten sich deshalb wunderbar als Grundlage eines kleinen Indie-Style-Reports an:
- Dass die 80er sich überall durchgesetzt haben, auch bei den Indies, ist altbekannt. Zu den wunderbaren Karottenjeans haben sich inzwischen weiße T-Shirts mit weiterem Ausschnitt oder V-Ausschnitt gesellt, gerne auch mit einer Disney-Figur versehen. Die verwegeneren unter den Indie-Herren tragen ein weißes Ripp-Unterhemd. Alternativ werden Holzfällerhemden getragen, für deren Verbot wir hiermit plädieren möchten.
- Sicher durchgesetzt haben sich die hoch sitzenden 80er Röcke mit kleinem Schlitz, die manch eine zwar tragen kann, viele andere jedoch nicht. Leider merken es die vielen anderen nicht, vermutlich weil sie keinen zweiten Spiegel im Haus haben. Dumm.
- Wirklich individuell ist man natürlich erst mit Hut. Zum Beispiel mit den prima Schirmmützen ohne Mütze, aber dafür mit transparentem farbigem Schirm (siehe Photo). Geht dieses Jahr noch, nächstes Jahr schon nicht mehr.
- Was bereits jetzt und eigentlich auch schon länger nicht mehr geht: Mit künstlichem Kuhfell besetzte Taschen, Hardrock-Café-Shirts, I-Love-NY-Shirts, Taschen von Freitag, Knicklichter (ums Handgelenk oder mit der Hand geschwungen, egal: sind in jeder Form furchtbar), neonfarbene Kleidung (das nervt wirklich, hat es auch schon letztes Jahr getan).
- Auf Festivals bitte wirklich vermeiden (entweder weil’s eklig oder hippiesk ist): Flip Flops, nackte Füße, Shirts von Bands (insbesondere von solchen, die auf dem Festival spielen), Element of Crime, mit erhobenen Armen klatschen, nur weil irgendeine dahergelaufene Band sagt, dass man es tun soll, und natürlich: Kinder.
So, jetzt schnell die richtigen Klamotten für die Videothek heraussuchen…]
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Tags: Draußen, Festival, Indies, Kritik, Mode
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