deckel-002-head-shoulders

sad. Eigenlich wollte ich dieses illustre, für sich selbst sprechende Bild für sich selbst sprechen lassen. Mache ich doch nicht. Denn man weiß ja, wohin die Eigentlichkeit führt: ins Undifferenzierte, in den suggestiven Jargon (der hier ein bildlicher wäre). Und nichts liegt mir ferner als das, ehrlich, außerdem verfüge ich ja über mehr als »eine bescheidene Anzahl signalhaft einschnappender Wörter«, wie es bei Adorno heißt, und das möchte ich unbedingt betonen. Also: Spaß beiseite.

Meine Haare wasche ich entweder mit head & shoulders oder mit Shampure von Aveda. Mit diesem Eingeständnis möchte ich mich keineswegs in den warenzentrierten Diskurs einbringen und diesen dadurch affirmativ bestätigen, nahein!, vielmehr lege ich offen, auch vor mir selbst, dass ich Teil dieses Verblendungszusammenhangs bin. Und das ist ja schon der erste Weg zur Besserung. Naja, vielleicht führt es bei mir auch dazu, dass ich mich auf dieser Einsicht ausruhe. – Wo war ich? Ah ja.

Seit Evolution benutze ich zwar lieber head & shoulders, gelegentlich bekomme ich jedoch das viermal so teure, aber dafür biologisch abbaubare Aveda-Shampoo geschenkt, weshalb meine Haare auch momentan wieder riechen, als hätte ich vor fünf Minuten einen gequarzt.

Verflixt, ich merke, dass ich zum Punkt kommen muss: Ein weiterer, der wichtigste Grund sogar, weshalb ich in Zukunft nur noch head & shoulders benutzen werde – wenn auch nicht in der abgebildeten, sondern in der Classic-Version – ist jedoch das Design dieses wunderbaren Produkts (habe ich gerade »wunderbares Produkt« geschrieben?): Als durch Adorno geschulter Konsument Rezipient von Kunstproduktenwerken ist mir nämlich genau das Moment der Emergenz künstlerischer Bedeutung am wichtigsten, in dem die Kunst sich selbst als Kunst offenbart – die Selbstreferentialität. Und die finden wir in ihrer Reinform genau hier, auf der head & shoulders-Flasche: Hier gibt der Aufdruck »NEUES DESIGN« nicht nur Auskunft darüber, dass es sich beim Design des Behältnisses um ein neues, um ein innovatives Design handelt, das in diesem Fall die bloße Funktionalität überwindet (durch die Biegung auf der linken Seite). Nahein, vielmehr ist der Verweis auf das neue Design selbst Teil des neuen Designs. Zack, Selbstreferentialität. Findisch geil Dieses Shampoo kann auch ich guten Gewissens benutzen, denn es ist mehr als ein Shampoo. Viel mehr.

(Möglicherweise, ganz ganz ganz vielleicht ist das Labeling von Kosmetika mit Hinweisen wie dem besagten »NEUES DESIGN« – alternativ: »Neue Formel« - nur eine Marketingstrategie und findet sich zudem nicht nur bei the one and only head & shoulders, sondern in regelmäßigen Abständen auch auf fast allen anderen Körperpflegeprodukten. Doch davon werde ich mich nicht abschrecken lassen: Ich weiß, wo das Wahre seinen Ursprung hat und das eigentlich Eigentliche der Kunst zu sich selbst findet. So sieht’s mal aus.)]



One Response to “[Deckel 002: Evolution now”  

  1. mesoconfused… du hast nicht gerade ein fläschchen von dem ayurveda weedpoo gekippt, oder?


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