Titel. X-Men Origins: Wolverine
Koordinaten. USA 2009 (R: Gavin Hood)
Zeit. 05.05.2009 / 21:20 Uhr
Ort. CinemaxX am Dammtor, Saal 8 / Hamburg
Modus. Vorfreude, aber eine seltsam unbestimmte…
Gesellschaft. Timon
sad. »Mmh. Tja. Weiß ich jetzt auch nicht.« Ungefähr das habe ich gedacht und dann auch zu Timon gesagt, als ich aus dem Kino gekommen bin. Genauso unbestimmt wie meine Vorfreude sind die Gründe dafür, Wolverine seltsam mittelmäßig zu finden.
Der Film lehnt sich lose an die Comic-Storylines Wolverine: Origins und Weapon X an und erzählt von Logans Entwicklung über die Geburt von Wolverine bis zur ersten Zerstörung der Weapon X-Forschungseinrichtung und Wolverines Gedächtnisverlust. Und dabei macht der Film eigentlich ziemlich viel richtig. Zunächst einmal wird alles erklärt, was zu erklären war: Man erfährt, warum Wolverine hübsch glänzende Klingen hat, die ihm aus dem Handrücken fahren, wenn er schlecht drauf ist; man erfährt, was »Wolverine« bedeutet und wie er auf den Namen gekommen ist; der Film liefert eine schlüssige Erklärung des besonderen Verhältnisses von Wolverine und Sabretooth (fein gespielt von Liev Schreiber) und leutet die Zeit der X-Men ein. Und natürlich gibt’s allerlei Action, bei der Hugh Jackman (der einfach Wolverine ist) ständig oben ohne, einmal auch ganz nackt durch die Gegend läuft und Leute plattmacht. Farben: auch schön. Wirklich großartig ist die Anfangsszene, in der James Howletts/Logans Mutation durchbricht, er seinen eigenen Vater tötet und mit Sabretooth/Victor Creed durch die Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts tingelt (die beiden Brüder altern langsamer, weil sie nicht nur über schicke Klauen, sondern auch umfassende Selbstheilungskräfte verfügen). Trotzdem: Mmh. Tja.
Klar, es gibt auch eindeutig mittelmäßige Aspekte des Films (Spoilers ahead): Warum greift Gambit (Taylor Kitsch), der von Sabretooth auf die Weapon X-Insel entführt wurde, in den Kampf von Wolverine und Sabretooth ein, worauf letzterer entkommen kann? Welche Funktion hat es, dass Wolverines Freundin eine ihn manipulierende, von Weapon X kontrollierte Mutantin ist und entgegen Logans Annahme gar nicht getötet wurde, außer dass nun auch am Ende noch ein paar unnötige Schmalzszenen eingebaut werden können? Warum schon wieder so schlechte Musik in einer Action-Comicverfilmung? Warum können sich Hollywood-Autoren nicht einmal Mühe mit Nebenfiguren machen? Aber reicht das schon, um den Film schlecht zu finden? Irgendetwas anderes ist da, hinter dass ich nicht komme.
Vielleicht ist es das Folgende: Ich finde den Film, so gut er das Superhelden-Genre repräsentiert, zu leb- und zu lieblos. Und zu kompromissbereit. In vorauseilendem Gehorsam haben die Filmemacher bei Wolverine moralisch Anstößiges und Probleme wie die innere Zerrissenheit der Figur ein wenig zu glatt gebügelt, vor allem aber nicht genutzt, um den Film für jene interessanter und auch überraschender zu machen, die die Comics schon kennen. Das ist natürlich kein Wunder, könnte man einwenden, schließlich ist der Film nicht wie Watchmen dazu da, mit den Erwartungen der Zuschauer zu brechen, sondern sie zu erfüllen. Trotzdem: Denkt man zum Beispiel an den ersten X-Men-Film, dann merkt man: Wolverine lässt sich wesentlich weniger Zeit. Statt Nebencharaktere genauer einzuführen, Mutationen wie in X-Men auch einmal spielerisch zu präsentieren, überhaupt: die in der erzählten Welt gerade aufkommende Mutanten-Problematik zu thematisieren, findet sich Action, die – siehe Deadpools (Ryan Reynolds) Enthauptung – ab und an so überzogen ist, dass sie ins Groteske abdriftet. Zum Glück bin ich direkt am Anfang der Credits aus dem Kino gegangen und habe die Szenen nach dem Abspann nicht gesehen…
Deshalb als Fazit vielleicht das: Ein solider, unterhaltsamer Film mit einem etwas überambitionierten Plot, bei dem man zwischendrin sehr gut über andere Dinge nachdenken oder parallel stricken kann. Mmh. Tja.]
Filed under: Eckige Augen | 1 Comment
Tags: Comic, Film, Kritik, Männer ohne Hals, Superhelden, Wolverine
Filme sollte man sehen, nicht so viel über sie schreiben :)